Leichtes Driften erkennen

Disclaimer: Die meisten von uns sind nicht heilkundlich ausgebildet. Unsere Blogartikel beruhen auf Selbstbeobachtung. Dieser Artikel vermag lediglich eine Orientierung zu geben. Wir können und wollen keine Diagnosen stellen.

Nach unserem Ansatz dienen BFRBs wie Derma, Morsi, Ony & Trich dazu, durch die sich wiederholenden Impulse zu driften, also eine leichte Trance herbeizuführen/ „Nebel zu produzieren“, um damit störende Persönlichkeitsanteile zu unterdrücken (mehr hierzu in unserem Leitartikel).

In diesem Blogartikel wollen wir uns nun intensiver mit dem Phänomen Driften auseinandersetzen.

nebel 2

.

Was man übers Driften wissen sollte

Viele Betroffene von BFRBs können „von ganz allein“ driften.

Viele Betroffene von BFRBs driften im Alltag schon „von ganz allein“, auch ohne dass sie dafür erst ziehen, knibbeln oder kauen müssen. Bei diesen Betroffenen hat Ziehen, Knibbeln und Kauen unseres Erachtens die Funktion bereits vorhandene Trance noch zu verstärken, also den Nebel dichter zu machen.

Beispiel: Am Freitag schreibt Anna eine kleine Klausur. Heute ist Montag. Anna surft auf Facebook. Die fleißige Biene meldet sich und denkt „eigentlich solltest du lernen“. Anna fängt an von alleine zu driften, produziert ein wenig Nebel um die fleißige Biene zu unterdrücken und surft weiter.

Wenn nun die gleiche Situation am Mittwoch auftritt, kann es sein, dass die fleißige Biene schon um einiges stärker ist, und sich öfter und lauter meldet – weil Anna die Zeit ausgeht. Dann reicht „Von-Alleine-Driften“ vielleicht nicht mehr, um die fleißige Biene zu unterdrücken. Jetzt muss Anna zusätzlich ziehen, knibbeln oder kauen, um die Nebeldecke dichter zu machen.

Dieser Artikel beschäftigt sich ganz allgemein mit dem Symptom Driften, egal ob es „Von-Alleine-Driften“ ist, oder ob das Driften vom Ziehen, Knibbeln oder Kauen herbeigeführt oder verstärkt wird.

.

Es ist nicht ganz einfach, normales Alltagsdriften und pathologisches Driften abzugrenzen. 

Alle Menschen schweifen ja mal mit ihren Gedanken ab, geben sich Tagträumereien hin oder starren vor sich hin, wenn sie hochkonzentriert oder müde sind. Wenn man Leute von außen betrachtet ist es nicht ganz einfach zu unterscheiden, ob es sich um normales „Alltagsdriften“ handelt oder ob der/ die Betroffene so häufig oder intensiv driftet, dass es Krankheitswert hat, also pathologisch ist.

.

Der offizielle Begriff für pathologisches Driften lautet „Bewusstseinsveränderung“ oder „Dissoziation“.

Wie pathologisches Driften offiziell heißt ist in Therapie und Wissenschaft heiß umstritten. Manche nennen es „Dissoziation“ oder „dissoziatives Erleben“ (auch Derealisation, Depersonalisation), andere nennen es „Bewusstseinsveränderung“. Mehr über die offiziellen Begrifflichkeiten schreiben wir ganz am Ende dieses Artikels. Der Einfachheit halber bleiben wir bei dem Begriff Driften oder Trance.

.

Es gibt sehr unterschiedliche Schweregrade

Pathologisches Driften bewegt sich auf einer Skala:

Bildschirmfoto 2016-03-11 um 22.37.34

schweresdriften

In schweren Fällen wird der Nebel so dicht, dass Betroffene komplett „ins Traumland“ abrutschen – sie sind gar nicht mehr ansprechbar, sie reagieren nicht auf Zurufe und wirken wie bewusstlos – nur, dass sie mit offenen Augen dasitzen. In solchen Fällen kann man Betroffene zum Teil nur mithilfe intensiver Reize zurück ins Hier und Jetzt holen – etwa in dem man ihnen eine Ammoniak-Riechampulle unter die Nase hält. Durch den beißenden Geruch fangen sie dann an zu husten und kommen wieder zu sich.

In mittelschweren Fällen fällt es Betroffenen ebenfalls schwer, wieder ins Hier und Jetzt zurückzukommen, aber sie können es immerhin von allein. Sie merken dann, dass sie „wie weg“ waren.

drift15

Viel häufiger, aber viel schwerer zu erkennen ist pathologisches Driften auf dem oberen Ende der Skala – also wenn es nur leicht ist. In diesem Artikel schildern wir 3 Situationen, in denen leichtes Driften häufig auftritt und geben euch Tipps wie ihr durch Selbstbeobachtung herausfinden könnt, ob ihr driftet.

.

Ist es möglich von pathologischer Bewusstseinsveränderung oder Dissoziation betroffen zu sein, ohne es zu wissen?

Ein klares Ja. Vor allem wenn man nur leicht driftet.

“Dissoziative Störungen sind tatsächlich nicht leicht zu erkennen! (…) [Betroffene] sind sich ihrer dissoziativen Symptomatik manchmal kaum bewusst, insbesondere, wenn sie sich selbst nie anders erlebt haben.” (Mondrian Graf von Lüttichau)

.

Situation 1: „Vor sich hinstarren“ – normales Nachdenken oder leichtes Driften?

drift6

Leichtes Driften fühlt sich meistens an, und sieht äußerlich aus, als ob wir einfach vor uns hinstarren, dabei intensiv nachdenken und uns stark auf das konzentrieren, worüber wir nachdenken. Wo hört normales Nachdenken auf, wo fängt leichtes Driften an? Hier ein paar Erfahrungswerte zur Differenzierung.

.

Inneres Drift-Merkmal: Kreisdenken

pfeil-kreis-dunne-linie_318-37389
Wenn man driftet, denkt man tatsächlich nach – das Denken bleibt meist oberhalb der Nebeldecke. Aber je länger man driftet, desto wahrscheinlicher ist „Kreisdenken“ – also, dass man immer und immer wieder über das gleiche Thema nachdenkt, ohne dabei zu einem neuen Ergebnis zu kommen. Fragen für die Selbstbeobachtung:

  • Wenn ich aufhöre mit Nachdenken, kann ich dann noch sagen, worüber ich nachgedacht habe?
  • Kann ich mir hinterher noch erklären, warum mich dieses Thema in dem Moment so beschäftigt hat? War es besonders wichtig oder interessant?
  • Wieviel Zeit habe ich mit Nachdenken verbracht und zu welchen Erkenntnissen bin ich dabei gekommen – stehen Zeitaufwand und Ergebnis in einem sinnvollen Verhältnis?
  • Habe ich über dieses Thema schon öfter nachgedacht? Wenn ja wie oft? Macht es von außen betrachtet irgendeinen Sinn immer wieder darüber nachzudenken?

.

Inneres Drift-Merkmal: Emotionen/ Anteile mit Emotionen werden unterdrückt

nebel 2

Beim Driften können jegliche Emotionen/ Persönlichkeitsanteile, die in dem Moment Urheber von Emotionen sind unter die Nebeldecke geschoben werden. Fragen zur Selbstbeobachtung:

  • Kann ich während meiner „Nachdenk-Episoden“ irgendetwas fühlen?
  • Wenn ich z.B. an etwas Trauriges denke, bei dem ich normalerweise Trauer empfinden würde, spüre ich dann auch beim Nachdenken Trauer?
  • Wenn ich an etwas Ärgerliches denke, spüre ich dann auch Wut?
  • Einige Betroffene spüren Emotionen, aber nur ganz ganz leicht, als wären sie sehr weit weg, eben „eingenebelt“.

.

Inneres Drift-Merkmal: Körperempfindungen/ Anteile mit Körperempfindungen werden unterdrückt

nebel 2

Beim Driften kann es sein, dass nach kurzer Zeit kein Gespür mehr für Körperempfindungen vorhanden ist – Hitze, Kälte, Schmerz, unangenehme Körperpositionen usw. Auch hier wird alles unter die Nebeldecke geschoben. Fragen zur Selbstbeobachtung:

  • Wenn ich mit dem Nachdenken wieder aufhöre, merke ich dann häufiger, dass ich total schwitze und schon längst meinen Pulli usw. hätte ausziehen sollen?
  • Oder dass es im Raum inzwischen eiskalt geworden ist?
  • Oder dass ich wirklich dringend, und daher scheinbar schon länger auf die Toilette muss?
  • Oder dass ich großen Hunger oder Durst habe, der sich eigentlich schon länger angekündigt haben muss?

.

Inneres & Äußeres Drift-Merkmal: Außenwelt wird ausgeblendet

ausblendungaussenwelt
Beim Driften kann auch die Außenwelt ausgeblendet werden, d.h. man bekommt wenig oder sogar nichts mehr um sich herum mit. Fragen zur Selbstbeobachtung:

  • Erschrecke ich mich beim Nachdenken öfter, wenn plötzlich jemand hinter mir steht? Habe ich dann das Gefühl er/ sie hätte sich „angeschlichen“, weil ich ihn/ sie nicht habe kommen hören?
  • Beschweren sich andere häufiger, dass es ungewöhnlich lange dauert, bis ich reagiere, wenn ich angesprochen werde?

drift17

„Es ist dann nicht so, dass ich meinen Freund nicht höre. Aber es ist so wie in Zeitlupe. Ich höre wie er „Simoooone“ sagt und ich denke langsam mmh ich glaub ich müsste ihn jetzt angucken.“ (Simone*, Heilewachsen Berlin)

* Namen geändert

.

Äußeres Drift-Merkmal: Verharren in der gleichen Körperposition/ in unangenehmer Körperposition 

körperposition1

Anders als Menschen die nur nachdenken, können Menschen, die driften dabei über längere Zeit regungslos in exakt der gleichen Körperposition verharren.

Dabei können wir in für uns eigentlich unangenehmen Körperpositionen verharren:

  • die Schultern werden hochgezogen
  • oder der Kopf wird in einem merkwürdigen Winkel geneigt
  • oder ein Arm wird hochgehalten (etwa als würde man gleich eine Zigarette oder ein Glas zum Mund führen wollen) und „bleibt einfach in der Luft stehen“
  • usw.

nackenschmerzen

„Ich habe hinterher regelrecht Verspannungen und Nackenschmerzen, weil ich stundelang in einer total blöden Position dagesessen habe, wie zu einer Salzsäule erstarrt.“ (Maria*, Heilewachsen Berlin)

.

Äußeres Drift-Merkmal: Häufigkeit und Dauer

wielange

Das wichtigste äußere Unterscheidungsmerkmal zwischen Driften und normalem Nachdenken ist: Wie häufig passiert es und wie lange dauert es?

Wenn dir nicht gerade eine sehr wichtige Lebensentscheidung bevorsteht oder du eine Beziehungskrise hast oder Ähnliches, ist es zum Beispiel nicht normal mehrmals am Tag jeweils eine halbe Stunde oder länger mit „Nachdenken“ zu verbringen, bei dem du einfach vor dich hinstarrst/ in den Raum starrst/ an die Decke starrst.

.

Situation 2: „Vor dem Bildschirm“ – normale Konzentration oder leichtes Driften?

Wenn man vor dem Bildschirm driftet, konzentriert man sich tatsächlich erst einmal auf das, was man vor sich hat – die Präsentation, die Hausarbeit, den Facebook-Feed, den Zeitungsartikel usw. Wo hört normale Konzentration vor dem Bildschirm auf, wo fängt leichtes Driften an? Hier wieder ein paar Erfahrungswerte zur Differenzierung.

.

Inneres Drift-Merkmal: Hyperfokus

Konzentration

Bei leichtem Driften vor dem Bildschirm können Betroffene in eine Art „Hyperfokus“ geraten, d.h. wir können uns ungewöhnlich gut und lange konzentrieren. Unsere Vermutung lautet: weil wir alles, was „stören“ könnte, mithilfe des Nebels unterdrücken. Fragen zur Selbstbeobachtung:

  • Kann ich mich vor dem Bildschirm scheinbar mühelos über viele Stunden hinweg sehr gut konzentrieren?
  • Kommt es vor, dass andere mir sagen, dass sie gar nicht verstehen können wie man so lange ohne Pause arbeiten kann?
  • Unterdrücke ich dabei Emotionen? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Unterdrücke ich Körperempfindungen? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Blende ich die Außenwelt aus? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Habe ich Schwierigkeiten mich von meiner Tätigkeit loszureißen, wenn ich unterbrochen werde?

drift21

„Wenn ich so konzentriert bin dann hasse ich nichts mehr, als unterbrochen zu werden. Vor allem wenn ich dann etwas gefragt werde oder irgendeine Entscheidung treffen soll, oder schlimmer noch, aufstehen. Ich sage dann immer „Moment, nur schnell noch….“ – auch wenn das, was ich gerade mache eigentlich gar nicht dringend ist, und ich eigentlich weiß, dass ich das problemlos auch wann anders machen könnte. Aber in dem Moment kommt es mir total wichtig vor, ich will dann damit nicht aufhören… es ist wie ein Sog. Manchmal bleibe ich dann noch eine halbe Stunde sitzen.“ (Maria, Heilewachsen Berlin)

.

Ziehen, Knibbeln, Kauen & Hyperfokus

Wie eingangs beschrieben, können viele Betroffene von BFRBs sich von selbst zum Driften bringen. Je stärker die Persönlichkeitsanteile sich melden, die etwas anderes machen wollen, als das was du gerade am Bildschirm machst, desto wahrscheinlicher ist es, dass „Von-Alleine-Driften“ nicht ausreicht, also dass du die Nebeldecke dichter machen musst. Das ist der Moment wo die meisten von uns mit Ziehen, Knibbeln und Kauen anfangen.

Bsp 1. Das Beispiel von oben: wenn man surft statt zu lernen, und der Zeitdruck zunimmt, wird die fleißige Biene immer stärker. Irgendwann kann sie nur noch mithilfe der Impulse unterdrückt werden.

Bsp 2: Leichten Hunger oder ein wenig auf die Toilette müssen können viele mit Von-Alleine-Driften unterdrücken. Je stärker die Körperempfindung wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Nebel nicht mehr ausreicht und die Impulse anfangen.

Bsp. 3: Leichte Verärgerung lässt sich mit Von-Alleine-Driften unterdrücken, bei einer richtigen „Wut im Bauch“ werden viele die Impulse zu Hilfe nehmen um stärker zu driften.

.

Inneres Drift-Merkmal: Apathie 

drift

Der Hyperfokus kann auch in eine Art Apathie umschlagen, d.h. Betroffene können sich irgendwann gar nicht mehr konzentrieren. Dennoch stehen wir an dieser Stelle nicht etwa auf und machen Pause, wie man es in einer normalen Ermüdungssituation machen würde. Unsere Vermutung lautet: wenn das passiert, dann ist die Trance zu stark geworden, der Nebel zu dicht. Fragen zur Selbstbeobachtung:

  • Wenn ich mich nicht mehr konzentrieren kann, bleibe ich dann trotzdem sitzen, anstatt Pause zu machen?
  • Lese ich mir z.B. den gleichen Text immer wieder durch?
  • Starre ich irgendwann nur noch apathisch auf den Bildschirm?
  • Gerate ich ins Kreisdenken? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Unterdrücke ich Emotionen? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Unterdrücke ich Körperempfindungen? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Blende ich die Außenwelt aus? (Fragen zur Selbstbeobachtung wie oben)
  • Habe ich Schwierigkeiten mich von meinem „Nichts-Tun“ vor dem Bildschirm loszureißen und aufzustehen?
  • Wie viel Zeit vergeht, in der ich vor dem Bildschirm sitze und nichts tue?

reaction-gif-Evil-Laugh

„Ich glaube wenn ich zu lange drifte, drücke ich damit sogar die fleißige Biene unter die Nebeldecke. Die Trance ist gefährlich, irgendwann entwickelt sie so eine Eigendynamik. Als wollte der Nebel auch mal ganz allein an der Macht sein.“ (Claudia*, Heilewachsen Berlin)

.

Ziehen, Knibbeln, Kauen & Apathie

In den Situationen, wo man vor dem Bildschirm sitzt und nichts tut ist es ähnlich wie beim Hyperfokus. Leichte Emotionen und Körperempfindungen lassen sich mit Von-Alleine-Driften unterdrücken, bei stärkeren setzen die Impulse ein.

Hinzu kommt, dass die Frage „Aufstehen oder nicht aufstehen?“ eine der vielen kleinen Alltagsentscheidungen ist, die ja ebenfalls Verursacher für die Impulse sind.

Je stärker der Impuls wird, aufzustehen, (zum Beispiel um etwas zu essen, auf die Toilette zu gehen, schlafen zu gehen, etwas einkaufen zu gehen usw.), desto stärker kann die „Gegenmaßnahme“ ausfallen. Das Ziehen, Knibbeln, Kauen kann geradezu „anfallartig“ werden, sodass Betroffene sich regelrecht „wegbeamen“. In diesen Fällen bewegen wir uns auf der Skala schon in Richtung mittelschwerem Driften bis hin zu schwerem Driften, wo sich die Betroffenen ohne fremde Hilfe z.T. stundenlang nicht mehr aus ihrer Situation befreien können.

.

Äußeres Drift-Merkmal: In der gleichen Körperposition verharren/ in unangenehmer Körperposition verharren

körperposition

Auch beim Driften vor dem Bildschirm kann es sein, dass Betroffene lange regungslos in exakt der gleichen Körperposition oder in unangenehmen Körperpositionen verharren. Für Fragen zur Selbstbeobachtung siehe oben.

.

Äußeres Drift-Merkmal: Aufgerissene Augen

Um Driften vor dem Bildschirm zu erkennen kann es sich lohnen mal die Kamerafunktion einzuschalten und sich die eigenen Augen anzuschauen. Bei den meisten Menschen sind die Augen normalerweise so weit geschlossen, dass man den oberen Teil der Iris kaum sieht:

augen

Nach längerem Driften können die Augen von Betroffenen so weit geöffnet sein, dass man die ganze, runde Iris sieht. Manchmal sind sogar die Augenbrauen hochgezogen und die Stirn gerunzelt. Der Kopf wird dabei häufig leicht nach vorne gebeugt.

drift14

Betroffene, die beim Driften die Kamera einschalten, haben im ersten Moment manchmal den Eindruck, dass sie überrascht, schockiert oder nicht allzu intelligent gucken.

.

Situation 3: Fernsehen oder leichtes Driften?

watchingtv

Wir machen es kurz, denn auch in Fernseh-Situationen gilt alles oben bereits Gesagte. Die inneren und äußeren Drift-Merkmale sind ähnlich. Für die Selbstbeobachtung schlagen wir vor, dass ihr euch Fernseh-Situationen anschaut, in denen ihr nicht müde seid (also möglichst nicht spät abends), um echte Müdigkeit als Variable auszuschließen. Zusätzliche Fragen zur Selbstbeobachtung:

  • Ist irgendwann meine Sicht nicht mehr „scharf gestellt“?
  • Fixiere ich meinen Blick auf einen bestimmten Punkt?
  • Nehme ich das Bild nicht mehr wahr?
  • Verfolge ich die Handlung nicht mehr?
  • Weiß ich nicht mehr was im Film passiert ist? Wie viele Minuten muss ich im Film zurückgehen, um wieder an dem Punkt anzuknüpfen, an dem ich noch bei der Sache war?

.

Mehr zum offiziellen Begriff und Links

Therapie und Wissenschaft verwenden für das Symptom Driften unterschiedliche Begriffe. Über den offiziellen Begriff herrschen zur Zeit große Meinungsverschiedenheiten. Man kann hier grob zwei Schulen unterscheiden.

1. Herkömmliche Schulen

Nach den herkömmlichen Schulen lautet der offizielle Begriff für pathologisches Driften „Dissoziation“.

drift15      = Dissoziation, dissoziieren

Innerhalb der herkömmlichen Schulen gibt es viele weitere Meinungsverschiedenheiten. Welche Formen der Dissoziation gibt es? Wo hört normale „Alltagsdissoziation“ auf, wo fängt pathologische Dissoziation an? Was ist mit Depersonalisation und Derealisation? Und so weiter und so fort. Mehr dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziation_%28Psychologie%29

.

2. Theorie der Strukturellen Dissoziation

Nach der Theorie der strukturellen Dissoziation ist der Begriff „Dissoziation“ mit „Abspaltung“ gleichzusetzen, er beschreibt also die Manifestation der Spaltung von Persönlichkeitsanteilen an sich. Driften und Trance heißt nach dieser Schule „Bewusstseinsveränderung“.

spaltung

= Dissoziation (also Spaltung)

drift15

= Bewusstseinsveränderung

.

3. Als Betroffene sagen wir  einfach „Trance“ oder „Driften“

Wir verwenden den informellen und unter Betroffenen gebräuchlichen Begriff „driften“ (auf Englisch „drifting“). Ob driften nun offiziell „Dissoziation“ oder „Bewusstseinsveränderung“ genannt wird, ist uns nicht so wichtig.

Wichtig ist uns Folgendes: das Phänomen Driften gibt es. Und wir glauben, dass es wichtig ist dieses Symptom zu verstehen, um Derma, Morsi, Ony und Trich zu verstehen und effektiv zu behandeln.

Advertisements

2 Gedanken zu “Leichtes Driften erkennen

  1. Chris Beck

    Vielen Dank für diesen Bericht zum Thema Driften.
    Ich „leide“ seit vielen Jahren an Skin Peking und dieses beschriebene abdriften ist genau der Grund, warum es mir so schwer fällt damit aufzuhören.

    Gefällt mir

  2. Prunkwinde

    Vielen Dank für diese wunderbare Seite!

    Ich kratze mir andauernd irgendwelche Unebenheiten oder Pickelchen im Gesicht auf, v.a. wenn ich vorm PC sitze.
    Es ist wirklich wie eine Sucht, ich versuche derzeit mit dem Knibbeln im Gesicht aufzuhören, aber was passiert? Mein oberer Rücken sieht jetzt richtig schlimm aus, dort finde ich nämlich auch ganz tolle Unebenheiten die ich aufkratzen kann, wenn ich mir schon nicht mehr mein Antlitz verschandeln will.
    Habe auch immer ein peinliches Gefühl, wenn ich in Gesellschaft (z.B. auf Arbeit) unbewusst anfange zu knibbeln, das dann mitbekomme und mich frage: „Ohje, sehen das die anderen, was ich da Ekeliges tue?“

    Dank diesem Bericht habe ich nun zum ersten Mal verstanden, was da eigentlich mit mir passiert und werde mich in Zukunft besser beobachten können und das Skin Picking hoffentlich besser in den Griff kriegen!

    Ich finde es auch großartig, dass sich mal jemand mit den Ursachen auseinandersetzt und eine verständliche Erklärung bereit hält, die mir auch einleuchtet. Habe schon so einige Artikel übers Skin Picking gelesen, aber weitergeholfen haben sie mir bisher alle nicht, ich fühlte mich danach eher wie eine Kuriosität.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s